1968 – 2008

40. Jahrestag

des Einmarsches der russischen Sozialimperialisten in die Tschechoslowakei



ENVER HOXHA

Die Chinesen schweigen zu den Ereignissen in der Tschechoslowakei und Europa

Betrachtungen über China“ - Band I, Seite 451-452, Tirana 1979

Aus dem Politischen Tagebuch 1962 - 1972

Dienstag, 15. Oktober 1968

Tschou En-lais unrichtigen Ansichten über den Revisionismus

(...)

Im Gespräch mit Beqir Balluku über die internationale Lage und insbesondere über die auf dem Balkan nach dem Einmarsch in die Tschechoslowakei entstandene Situation schlug Tschou En-lai vor, wir sollten mit den Titoisten Verhandlungen einleiten und mit ihnen einen Vertrag über Freundschaft und gegenseitige Hilfe abschließen!

Wie konnten diese chinesischen Genossen nur auf so irrige Gedanken kommen und Lius Weg gehen, der predigte: „Um den amerikanischen Imperialismus zu bekämpfen, müssen wir uns auch mit den modernen Revisionisten zusammenschließen“?!

Wie konnten diese chinesischen Genossen dazu kommen, zu wähnen, man könne sich, um die Sowjetrevisionisten zu bekämpfen, auch mit Tito vereinigen, diesem ausgekochten und offenen Agenten des amerikanischen Imperialismus, diesem wütenden Feind des Marxismus-Leninismus, nur weil er für einen Moment zeitweilige Widersprüche zu seinen ideologischen Freunden, den Sowjetrevisionisten, hat?!

(...)

Erstens, bei den chinesischen Genossen besteht ideologische Unklarheit. Ihnen ist nicht sehr klar, was der moderne Revisionismus – der titoistische und der chruschtschowsche – ist und worin seine große Gefährlichkeit liegt. Was Tschou angeht, so ist er der erste und wichtigste, dem es nicht klar ist, denn er geht in dieser Frage sehr falsch vor.

Zweitens, sie bleiben gegenüber Tito und dem Titoismus bei ihrem Standpunkt, dass „nicht Tito Fehler gemacht hat, sondern Stalin es war, der gegenüber Tito Fehler beging“. Und wenn es die Konjunkturen mit sich bringen, dass Tito in Widerspruch zu den Sowjets gerät, dann werden die chinesischen Genossen ihm gegenüber zahm, gewinnt ihre alte Meinung über Tito und gegen Stalin die Oberhand und führt sie den falschen opportunistischen Weg. (...)

Drittens, aus diesen und anderen Fakten ergibt sich, (...) dass es in ihrem Kampf gewisse Neigungen zum Chauvinismus gegenüber der Sowjetunion, territoriale Ansprüche und nicht sehr begründete Urteile über angebliche Fehler Stalins in der kommunistischen Weltbewegung gibt. Diese Fehler hindern die chinesischen Genossen daran, die Probleme und Ereignisse richtig zu analysieren und bei einigen grundlegenden Problemen zu richtigen Beschlüssen zu kommen.

Viertens, für die chinesischen Genossen ist jeder, der sich als Gegner der Sowjets ausgibt, ein möglicher Verbündeter, ohne darauf zu achten, wer dieser, sei es auch nur zeitweilige, Pseudoverbündete ist. Diese strategische und taktische Linie, die nicht von marxistisch-leninistischen Prinzipien geleitet wird, ist verwerflich.

Was schlagen sie uns in Wirklichkeit vor? Uns mit dem Titoismus zu versöhnen und abzuküssen, mit dem wildesten Feind unserer marxistisch-leninistischen Partei, unseres sozialistischen Vaterlandes ! Uns abzuküssen, uns zu versöhnen mit Tito, der 25 Jahre lang mit aller Kraft versucht hat, unser Vaterland zu unterdrücken, zu zerschlagen, zu versklaven, zur siebten Republik Jugoslawiens zu machen! Tschou En-lai rät uns also, alles zu verraten, was uns heilig ist, unseren ruhmreichen Kampf, das Volk und den Marxismus-Leninismus.







Dienstag, 29. April 1969

Die chinesischen Genossen geben keinen Laut von sich zu dem, was augenblicklich in der Tschechoslowakei, in Polen und in Europa vor sich geht. Zu dem, was wir gegen die Revisionisten schreiben und sagen, lassen sie kein Zeichen erkennen, schreiben sie in ihren Zeitungen keinen Buchstaben, sagen sie in ihrem Rundfunk kein Wort. Seltsam!!!

(Anmerkung der Redaktion: Wir fanden in der Peking Rundschau Nr. 6 – vom 11. Februar 1969 den folgenden Artikel der chinesischen Revisionisten: „Die tschechoslowakische Bevölkerung demonstriert gegen die militärische Okkupation durch die sowjetrevisionistische Renegatenclique“)

Aus Prag wird uns berichtet, dass die Tschechoslowaken die strenge Überwachung rings um die chinesische Botschaft aufgehoben haben, wer die chinesische Botschaft betritt, wird nicht kontrolliert, die Chinesen hören sich nur an, was er zu sagen hat, und nichts weiter. Seltsam!!

Die Angestellten der chinesischen Botschaft haben unseren Genossen gesagt: unsere Haltung zu den Tschechen hängt von ihrer Haltung zu den Sowjets ab, d.h., die Tschechen Dubčeks könnten auch Faschisten sein, es genügt, dass sie gegen die Sowjets sind und „sie sind in Ordnung“. Seltsam!!

Was für Leute mögen das wohl sein, die in der chinesischen Botschaft arbeiten? Sollten sie etwa Anhänger von Liu und Deng sein, die „Es lebe Mao“ rufen?! Alles kann vorkommen. Oder sollten die Tschechen „wohlwollend“ die Chinesen offiziell davon in Kenntnis setzen: „Die Sowjets tun uns dies und jenes an, aber wir widersetzen uns, wir haben euch gegenüber Fehler begangen, können aber gegenwärtig nicht sprechen, wir wollen die Beziehungen zu euch verbessern“, usw. usf.?

Die Taktik der Chinesen ist es, aus „Opportunitätsgründen“ so lange nicht zu sprechen, „bis sich die Situation klärt“. Oder sie gehen von dem falschen Grundsatz aus:

Es genügt, wenn sie gegen die Sowjets sind; macht nichts, wenn sie der Konterrevolution dienen, denn sie sind in Europa“, und es ist eine Tatsache, dass sich die chinesische Politik nicht im Mindesten für Europa interessiert.Seltsam!!



Montag, 15. September 1969

(...)

Drei Jahre lag die chinesische Diplomatie in tiefem Schlaf, und nun, da sie gerade eben erwacht, besteht ihre erste und sensationelle Handlung darin, dem russischen Zaren Kossygin die Hand zu reichen. Wie du das auch hindrehen magst, lieber Genosse Tschou En-lai, damit kriegst du uns nicht herum. Wir essen nicht alten Quark für lieblich mundenden Käse.



Dienstag, 7. Juli 1970

(...) Mögen auch diese Widersprüche der Revisionisten untereinander ständig sein, weil sie Kapitalisten sind, so darf dennoch ihre Ausnutzung zu unseren Gunsten nicht die Stärkung des einen oder des anderen zum Schaden des Sozialismus zum Ziel haben, sondern muss auf die Schwächung und Entlarvung beider Seiten gerichtet sein.

- Ende -