ENVER HOXHA

Für die fortlaufende Verbesserung der Zusammensetzung der Partei und ihr Wachstum-

für den Schutz der Reinheit ihrer Reihen!

Aus: Bericht über die Tätigkeit des ZK der PAA - erstattet auf dem 5. Parteitag der PAA am 1. November 1966

Nachdruck Verlag Roter Morgen - April 1977 ISBN 3-88196-206-9



Die Zusammensetzung und Ausdehnung der Partei, das Wachstum ihrer Reihen und die Stählung ihrer Mitglieder muss eine der ernsthaftesten Angelegenheiten für alle Parteiorganisationen sein. Es muss immer vor Augen geführt werden, dass die Parteiarbeit im Allgemeinen, und insbesondere die Aufnahme in die Partei und das Problem ihres Wachstums, eine sehr verantwortungsvolle Sache ist, bei der viele Faktoren zu beachten sind:

politische, ideologische, organisatorische, wirtschaftliche, bewusstseinsmäßige usw.

In solchen delikaten Angelegenheiten ist eine schablonenhafte, formale Durchführung von Anweisungen oder bestehenden Regeln ebenso schädlich wie die Verneinung jeder Regel und Anweisung, wie anarchische oder spontane Tendenzen. Wir dürfen nicht zu Sklaven bestimmter festgesetzter Formen werden, doch können wir andererseits auch ohne richtige, revolutionäre, aus dem Kampf und der Erfahrung erneuerte und belebte Formen nicht auskommen.

Die Aufnahme in die Partei erfolgt nach den Bestimmungen des Parteistatuts und nach den vom Zentralkomitee in besonderen Anweisungen herausgegebenen Regeln.

... Es kommt vor, dass in die Reihen der Partei Menschen eintreten, die noch nicht alle notwendigen Eigenschaften besitzen, um Kommunisten zu sein, oder die dieses Namens gar nicht würdig sind....

...werden solche Eigenschaften wie der Charakter, die Moral, und das persönliche Verhalten des Kandidaten, seine Opferbereitschaft und politische Reife, sein ideologisches Niveau und sein revolutionärer Geist, sowie seine Verbindung mit den Massen usw., welche die hauptsächlichsten Anforderungen ausmachen sollten, oft gar nicht in Betracht gezogen.

Die Grundorganisationen überlassen die Beurteilung und ernsthafte Bewertung des Kandidaten jenen, die welche die Empfehlung ausstellen. Schließlich herrscht die gleiche Sorglosigkeit auch während der Probezeit des Kandidaten. In der Tat ist diese in den meisten Fällen nur dem Namen nach eine Probezeit. Mit dem Kandidaten wird keine besondere systematische revolutionäre Tätigkeit entwickelt und dieser betrachtet sich von dem Tag an, an dem er als Kandidat aufgenommen wird, schon als Mitglied der Partei. Nur die Farbe des Umschlags seines Mitgliedsbuches unterscheidet ihn vom Parteimitglied. Es muss gesagt werden, dass solch eine `normale` Prozedur weder der Form noch dem Inhalt nach revolutionär ist.

Die Partei bedarf neuen Blutes, doch reinen Blutes. Die Partei soll stark sein, vor allem was die Qualität betrifft, daher sollen wir nicht nach der Quantität streben.

... Vom Kandidaten wird verlangt, dass er in seiner Arbeit an vorderster Stelle steht, Disziplin bewahrt, Mut und Opferbereitschaft zeigt, sowie Entschlossenheit zur Verteidigung der Parteilinie aufweist, dass er mit den Arbeiter- und Bauernmassen eng verbunden ist und seinen Arbeitskollegen menschlich nahe steht, dass er sich und seinen Schwächen und Fehlern gegenüber streng ist und sie bekämpft...

Das Zentralkomitee der Partei ist der Ansicht, dass die Anwartschaft 2 - 3 Jahre dauern soll, je nach dem Charakter der Arbeit des Kandidaten und seinen Eigenschaften...

... Höhere Anforderungen für den Eintritt in die Partei zu stellen, soll auf keinen Fall als ein Verschließen der Tür zur Partei verstanden werden. Die Partei wird die Türen für Klassenfeinde und jene schließen, die ihrer unwürdig sind, doch sind ihre Türen offen für alle Söhne und Töchter unseres heroischen Volkes, für alle die, welche ihr Leben der großen Sache der Revolution, des Kommunismus und des Marxismus-Leninismus widmen wollen (Beifall).





Die Arbeit zur Wahrung der Reinheit der Partei der Arbeit zu ihrer qualitativen Stärkung, müssen die Parteiorganisationen und –komitees ihre Aufmerksamkeit, nicht nur im Zusammenhang mit neuen Aufnahmen schenken, sondern auch bezüglich der weiteren Stählung und Erziehung derjenigen Kommunisten, die schon in den Reihen der Partei kämpfen.

Die Mitglieder unserer revolutionären Partei müssen treu zu den Lehren des Marxismus-Leninismus, zu Partei und Volk halten. Dies bedeutet, dass sie stets revolutionäre, unbeugsame Kämpfer für die Verteidigung der Reinheit des Marxismus-Leninismus sein müssen, bis zum Tode entschlossen, in jedem Augenblicke, in jeder Lage der Partei und dem Volke zu dienen, bereit zu jedem Opfer, das von ihnen im Namen der Interessen der Revolution und des Sozialismus verlangt werden kann.

Die Kommunisten müssen eine eiserne und bewusste Disziplin aufweisen, sowie einen harten Willen zur Durchführung der Parteilinie, der Staatsgesetze und zur Wahrung der guten Sitten und Bräuche unseres Volkes. Dies bedeutet aber nicht, dass sie die erhaltenen Richtlinien mechanisch anwenden sollen. Der Kommunist muss an seine Arbeit schöpferisch herangehen; er muss sich in den konkreten, ideologische n und politischen Kern des betreffenden Parteibeschlusses bzw. Staatsgesetzes vertiefen und soll, den Bedingungen entsprechend, in denen er wirkt, seine Tätigkeit so organisieren, dass diese Beschlüsse mit Erfolg durchgeführt und angewendet werden.

Die Mitglieder unserer marxistisch-leninistischen Partei müssen sich dessen bewusst sein, dass die Parteizugehörigkeit dem Kommunisten auch nicht das geringste persönliche Privileg einbringt und einbringen kann. Sie bringt nur große, schwierige und verantwortungsvolle Aufgaben. Wer anderer Meinung ist, wer bemüht ist, vermittels des Mitgliedsbuches sich selbst, seiner Familie oder jemand anderem Privilegien zu sichern, seinen diese materieller oder moralischer Natur, der verdient auch nicht für einen Augenblick die große Ehre, Mitglied der Partei zu sein.

Der Kommunist muss eng mit den Massen verbunden sein, aufmerksam und achtungsvoll auf ihre Stimme hören, mit den Massen leben und arbeiten, ihren Puls fühlen und ihre Sorgen kennen, an der Spitze der Massen stehen und sie führen. Er muss ein unversöhnlicher Feind hochfahrenden Wesens, der Arroganz, der Kommandiersucht, der Günstlings - und Vetternwirtschaft, jeder Unterschätzung und Verächtlichmachung der Massen und ihrer Arbeit sein, er muss mutig gegen jeden kämpfen, der solche Tendenzen zum Schaden der Interessen der Werktätigen, der Partei und unseres sozialistischen Staates durchblicken lässt.

Ein gutes und konsequentes Mitglied unserer Partei ist derjenige, welcher jederzeit den Klassenkampf vor Augen hat und ihn ohne Furcht und Zögern durchführt, ausserhalb der Partei ebenso wie in ihren Reihen, indem er sich fest auf die Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus und der Parteilinie stützt. Er muss, nach einer richtigen dialektischen Analyse, das Gute vom Schlechten, das Gefährliche vom weniger Gefährlichen, zu unterscheiden verstehen, er muss es verstehen, die geeignetesten Methoden der Eruoehung und Überzeugung und schließlich auch des Zwanges gebrauchen. Ein gutes und revolutionäres Mitglied der Partei ist derjenige, welcher mit seinem Wirken und Benehmen das Vertrauen und die Liebe der Menschen erwirbt, den Irrenden erzieht und rettet und unbarmherzig und mit größtem Hass gegen jene schlägt, die unverbesserlich und sozial gefährlich sind, gegen die Feinde des Volkes und der Partei.

Jeder Kommunist muss sich eine wahrhaft revolutionäre Wachsamkeit aneignen, zur Wahrung der Parteilinie und der Reinheit ihrer Ideale.

Das Mitglied der Partei soll durch höchsten Gerechtigkeitssinn, durch Sauberkeit seines Gewisens und Handelns gekennzeichnet sein; er muss prinzipienfest sein und nie seine Schwächen und Fehler verheimlichen, sondern die selbst kritisieren, ohne darauf zu warten, dass andere sie bloßstellen. Nur so ist es auch Imstande, wirksam die Fehler seiner genossen zu kritisieren., Wachsamkeit zu üben und andere durch sein Beispiel, durch seine Reinheit, durch seinen gerechten Kampf zu bessern.

Der revolutionäre Kommunist muss mit äußerster Gewissenhaftigkeit dort kämpfen, wohin ihn die Partei stellt und wo sie seiner bedarf, wobei er stets das Allgemeininteresse über alles zu stellen hat. Er darf siech nie mit einer ungesunden Situation abfinden, welche durch die unrichtigen Folgerungen und Beschlüsse irgend einer Partei- und Staatsinstanz hervorgerufen werden, ebenso wie er sich nicht mit den Fehlern oder Willkürakten irgendeines Funktionärs abfinden darf.

Diese Eigenschaften, die sich in der Mehrzahl unserer Parteimitglieder verkörpert finden, müssen allen albanischen Kommunisten in Fleisch und Blut übergehen. Ohne dies kann der revolutionäre Geist in der Partei nicht gewahrt, kann von einer Revolutionierung des Lebens in unserem Lande nicht die Rede sein. Daher muss die ganze Aufmerksamkeit der Parteikomitees und der Grundorganisationen auf die ständige Stählung der Kommunisten gerichtet sein. Die Parteiorganisationen müssen gerade in dieser Hinsicht sehr beharrlich sein. In ihren Reihen müssen konsequente Revolutionäre herangebildet werden und als entschlossene Kommunisten wirken, auf dass sie vollauf die große Ehre verdienen, Mitglied der Partei der Arbeit Albaniens zu sein.

Der richtige Weg zur Stählung der Parteimitglieder ist ihre möglichst aktive Teilnahme am Aufbauwerk, ihre beharrliche und dauernde Arbeit an ihrer politischen und ideologischen Bildung. Im täglichen Werk und Kampf, im revolutionären Schwung der Massen, im Bemühen um die Durchführung und Verteidigung der Parteilinie, werden sich die konsequenten Revolutionäre auszeichnen und wachsen, werden andererseits die Lauen an die Oberfläche getrieben, die ein ruhiges Eckchen suchen, um in der Traumwelt der Vergangenheit zu leben, die sich mit ihr brüsten und ihretwegen Privilegien verlangen, werden schließlich diejenigen, ausgeschieden werden, die unrechter- und fälschlicherweise in die Partei eindrangen. Die Partei muss jedem das ihm Gebührende geben. Erstere muss sie unterstützen, ermutigen, erziehen, damit sie immer weiter vorwärtskommen. Den zweiten muss sie hilfreich zur Seite stehen, ihnen die Augen öffnen, damit ihnen klar wird, in welche ungute Situation sie geraten sind; sie muss sie aufklären, dass diese ihre Lage nicht mit den Pflichten und der Rolle eines Revolutionärs vereinbar ist; sie muss dafür sorgen, dass sie so bald wie möglich diesen Sumpf verlassen, im allgemeinen revolutionären Schwung aufgehen und sich in die ersten Reihen der hervorragenden Kämpfer stellen. Die Dritten müssen aus der Partei hinausgeworfen werden; sie sind unwürdig in ihren Reihen zu stehen.

Im Kampf um die Verbesserung ihrer Qualität müssen die Parteiorganisationen den Parteimitgliedern mit langjährigen Kampferfahrung eine besondere Aufmerksamkeit widmen. Dies ist ein großer Reichtum der Partei, der nicht vergeudet, sondern wie das Augenlicht behütet werden soll. Auch mit diesen Menschen muss die Partei arbeiten, sie erziehen, damit sie bis zu ihrem Ableben stets konsequente Revolutionäre bleiben. Sie sollen auch in den letzten Tagen ihres Lebens mit der ihnen noch zur Verfügung stehenden Kraft tapfer für die Sache der Partei kämpfen, wenngleich unter ihnen solche sind und sein werden, die auch physisch altern werden. Das ist ein Naturgesetz.

Doch für uns Kommunisten ist es auch Gesetz und wird es Gesetz bleiben, dass wir geistig bis zuletzt, bis zu unserem Tode, Revolutionäre bleiben und als solche kämpfen (langanhaltender Beifall, Ovationen).

Ihre Fürsorge diesen Genossen gegenüber darf die Partei nicht so bekunden, dass sie sie verhätschelt, sondern indem sie sie behütet und zu ständiger revolutionärer Tätigkeit mobilisiert. Die Partei soll diese Genossen auf Grund ihrer Tätigkeit aufrichtig ehren und lieben, doch darf sie auf keinen Fall erlauben, dass jene, die eine so glänzende Parteivergangenheit haben, zu Parasiten werden, zu aufgeblasenen und arroganten Menschen, welche ungesetzliche Privilegien für sich und ihre Familie verlangen. Dies ist eine gefährliche Sache, denn es schafft in der Partei privilegierte Schichten mit kleinbürgerlichen Überbleibseln, welche der proletarischen Klasse und ihrer Ideologie fremd sind.