1956 – 2006
5o Jahre Kampf gegen den modernen Revisionismus
ENVER HOXHA
„Über die internationale Lage und die Aufgaben der Partei“,
aus dem Bericht auf dem 3. Plenum des ZK der PAA vom 13. Februar 1957, Kapitel 2:
Das Scheitern der faschistischen Konterrevolution in Ungarn
Ausgewählte Werke Band II, Verlag Roter Morgen, 1978, Seite 572 – 577 und Seite 598/599
Das Hauptkennzeichen der heutigen internationalen Lage ist der scharfe Kampf zwischen den beiden Lagern, dem sozialistischen und dem imperialistischen Lager, das immer mehr an Boden verliert, trotzdem aber noch starke Positionen innehat.
Die Stärke des sozialistischen Lagers ist der entscheidende und Hauptfaktor für die Erhaltung des Friedens, sie ist das Haupthindernis für die aggressiven Pläne des Imperialismus und die unerschütterliche Basis und Stütze für den Kampf aller Völker, die für ihre Freiheit und Unabhängigkeit, für die Erhaltung des Friedens und die friedliche Entwicklung der zwischenstaatlichen Beziehungen kämpfen. Deshalb verfolgen die herrschenden Kreise der imperialistischen Staaten eine Kriegspolitik gegenüber dem sozialistischen Lager, vor allem gegenüber der Sowjetunion.
Der Militärblock des Nordatlantik- Pakts, die Militärstützpunkte, die die Imperialisten, vor allem die USA, um die Sowjetunion und die übrigen Länder des sozialistischen Lagers errichtet haben [Anmerkung der Redaktion – inzwischen ist Ungarn selber Militärstützpunkt der USA geworden !], der 100-Millionen-Dollar-Etat, den der amerikanische Kongress jedes Jahr für Diversionsakte in unseren Ländern bewilligt, die zügellose Kriegshetze gegen unsere Länder und schließlich die Unterstützung und Mobilisierung aller Renegaten und Verräter des Sozialismus sind klare Beweise der Kriegspolitik gegen das sozialistische Lager.
Auf der letzten Tagung des NATO-Rates wurde es als die hauptsächliche, beste und am leichtesten realisierbare Methode für diesen Kampf angesehen, die konterrevolutionäre Tätigkeit in den sozialistischen Ländern zu organisieren, um sie zu spalten und die Volksmacht von innen her zu zersetzen.
In den Plänen dieses allgemeinen Komplotts gegen die Sowjetunion und die sozialistischen Länder spielte die Konterrevolution in Ungarn eine erstrangige Rolle; ihr Ziel war, die Volksmacht zu stürzen und sie durch den Staat der Grundherren und Kapitalisten, durch die Diktatur der Horthy-Faschisten zu ersetzen.
Mit der Entfesselung der Konterrevolution in Ungarn wollten die Imperialisten zugleich auch einen Kriegs- und Aggressionsherd inmitten der Länder des sozialistischen Lagers, an den Grenzen der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Rumäniens schaffen und die Länder des sozialistischen Lagers splaten, sie von der Sowjetunion lostrennen, um anschließend eines nach dem anderen nierder zu werfen, und schließlich wollten sie die kommunistische Weltbewegung spalten.
Die Einmischung der Imperialisten in Ungarn ist der Hauptfaktor für die Konterrevolution. Sie hatten schon seit langem Verbrecherbanden, bestehend aus geschworenen Horthyanhängern und Faschisten organisiert, die sie während der Vorbereitung der Konterrevolution auf das Territorium der Volksrepublik Ungarn einschleusten. Sie starteten eine zügellose Propaganda gegen die Sowjetunion, das sozialistische Lager, die Partei der Werktätigen Ungarns und gegen die Volksmacht in Ungarn. Viele Tatsachen beweisen heute sehr deutlich ihre offene Einmischung in Ungarn.
Die Tätigkeit der Imperialisten fand Unterstützung bei den inneren Feinden, den Gegnern der Volksmacht und den Klassenfeinden. Die Horthy-Anhänger in Ungarn waren zahlreich. Der Klassenfeind, der enteignet, aber nicht völlig vernichtet war,, schlief in diesen 12 Jahren Volksmacht nicht, sondern arbeitete im Stillen und wartete auf den günstigen Augenblick, um, unterstützt von den Imperialisten, den Angriff auf die Volksrepublik Ungarn zu beginbnen, die Volksmacht zu stürzen und seinen kapitalistischen Staat wieder zu errichten. Die innere Reaktion vermochte auch unter den Bedingungen der Volksmacht ihre Kräfte zu wahren und sich zu organisieren und anschließend zum offenen Angriff, zur bewaffneten Revolte überzugehen. Denn die frühere Partei- und Staatsführung hatten Schwächen und ließ es an Wachsamkeit fehlen. Bekanntlich verschwinden in der Phase des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus die antagonistischen Klassen nicht, der Klassenfeind arbeitet weiter und wendet alle Mittel an, um die Volksmacht zu bekämpfen. Um den Feind zu unterdrücken, muss die Diktatur des Proletariats, die revolutionäre Wachsamkeit gefestigt werden.
Eine bedeutende Rolle bei den ungarischen Ereignissen, bei der Vorbereitung und Entfesselung der Konterrevolution spielten die anti-marxistischen, opportunistischen, verräterischen Elemente innerhalb und außerhalb der Partei der Werktätigen Ungarns mit Imre Nagy an der Spitze. Es ist nicht das erste Mal, dass der Imperialismus die rechten Kräfte, die Opportunisten, Abweichler und Verräter benutzt, um die Arbeiterbewegung, die kommunistische Bewegung zu bekämpfen. Der Fall Ungarn ist ein neuer Beweis, wie die Imperialisten alle in seinem Dienst stehenden Kräfte, die dem Sozialismus feindlich sind, mobilisiert.
Zugleich muss darauf hingewiesen werden, dass die Fehler der ehemaligen ungarischen Partei- und Staatsführung, die eine unsichere Lage geschaffen hatte, unter den Massen Unzufriedenheit hervorriefen und von den Konterrevolutionären ausgenutzt wurden. Die Unkenntnis über die Kräfte der Reaktion und die Zugeständnisse, die ihnen gemacht wurden, erlaubten den Feinden unter dem Vorwand, die Fehler zu bekämpfen, die im Rahmen der Volksmacht hätten in Ordnung gebracht werden können und müssen, die werktätigen Massen in die Irre zu führen und die blutige und wütende Konterrevolution zu entfesseln.
Trotz allem aber scheiterten die Pläne der Feinde. Die Konterrevolution in Ungarn wurde niedergeworfen. Auf den Ruf der Regierung der ungarischen Arbeiter und Bauern hin eilte die Sowjetunion dem ungarischen Volk zur Hilfe und half ihm, seine Feinde zu vernichten und seine Freiheit, Unabhängigkeit, die Volksmacht und den Sozialismus zu retten. Indem die Sowjetunion dem ungarischen Volk in seinem Kampf gegen die imperialistischen und inneren Feinde Beistand leistete, erfüllte sie eine hohe internationalistische Pflicht und leistete zugleich der gesamten Sache des Sozialismus und der gesamten kommunistischen Weltbewegung einen sehr großen Dienst.
Betrachtet man die ungarischen Ereignisse als das, was sie waren, nämlich eine von den Imperialisten in Zusammenarbeit mit dem Klassenfeind und mit den anti-marxistischen und verräterischen Elementen der Arbeiterklasse, wie Imre Nagy und Konsorten, organisierte Konterrevolution, so hat unsere Partei dazu eine entschlossene und richtige marxistisch-leninistische Haltung eingenommen. Die Einschätzung unserer Partei erwies sich als vollkommen richtig.
Jede Einschätzung der ungarischen Ereignisse, die nicht vom Gesichtspunkt des Klassenkampfes aus geschieht, ist falsch, anti-marxistisch, schadet der Sache des Sozialismus schwer, nutzt den Feinden des Sozialismus und ist gegen die Interessen der Arbeiterklasse und des Sozialismus gerichtet. Die Bemühungen der Führung des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und ihrer gesamten Propaganda, die ungarischen Ereignisse als „eine Volksrevolution aller werktätigen Massen“ hinzustellen, nicht ausgelöst durch die Feinde, sondern hervorgerufen durch das „bürokratische politische System und die Fehler der Rakosi-Gerö-Clique“, entbehren jeder Grundlage. Sie sind ein feindlicher Versuch, die Tatsachen zu verdrehen, den Klassenkampf zu verbergen und aufzugeben, das volksdemokratische System anzugreifen, in den Reihen der kommunistischen und Arbeiterparteien Verwirrung zu stiften und ihre Wachsamkeit gegenüber den Feinden einzuschläfern.
Es gibt viele Tatsachen, die die Schlussfolgerung nahe legen, dass die jugoslawischen Führer, weit davon entfernt, in der ungarischen Konterrevolution eine reine Weste zu haben, im Gegenteil eine große Verantwortung für den Verlauf der Ereignisse in Ungarn tragen:
a)
Nach dem XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion entfalteten in Ungarn die Opposition und die Feinde des Marxismus-Leninismus unter dem Banner des Kampfes gegen die „Fehler Stalins“ eine große Propaganda für den „jugoslawischen Weg“ als den „einzig richtigen Weg für den Aufbau des Sozialismus“, um die Partei der Werktätigen Ungarns zu diskreditieren und die Partei- und Staatsführung Ungarns zu spalten. Parallel dazu fand eine große Kampagne statt, um Imre Nagy zu rehabilitieren und ihn an die Spitze der ungarischen Partei und des ungarischen Staates zu bringen, da er „zu Unrecht verfolgt“ worden und „der Mann“ sei,, „der Ungarn in der neuen Situation leiten müsse“. Diese ganze Kampagne wurde von der jugoslawischen Presse und den Jugoslawen kräftig unterstützt. Die jugoslawische Presse war vor Ausbruch der Konterrevolution gespickt mit Nachrichten und Artikeln über die Tätigkeit der anti-marxistischen Elemente, über die feindliche Tätigkeit im „Petöfi“klub sowie über die gesamten anti-sowjetischen, anti-sozialistischen und revisionistischen Umtriebe damals in Ungarn. In Budapest hatten die jugoslawischen Agenten volle Handlungsfreiheit und entfalteten gemeinsam mit den parteifeindlichen Gruppen eine große Kampagne über den „spezifischen Aufbau des Sozialismus in Jugoslawien“. Dadurch untergruben sie die Stellung der Partei der Werktätigen Ungarns und der ungarischen Volksregierung.
b) Als die Konterrevolution ausbrach, waren die jugoslawischen Führer die ersten, die sie durch Artikel in der Presse und durch persönliche Botschaften Titos als eine Volksrevolution begrüßten. Während alle marxistisch-leninistischen Parteien die Konterrevolution und Nagy offen entlarvten, nahm die jugoslawische Presse die Regierung Nagy ständig in Schutz. Die Jugoslawen hatten ihre Truppen entlang der ungarischen Grenze zusammengezogen und waren bereit, in Ungarn einzumarschieren. Wie sie selbst offiziell erklärten, wären sie, wenn nicht die sowjetische Armee am 4. November eingegriffen hätte, in Ungarn einmarschiert. So weit war die Sache also gediehen. Der Einmarsch der jugoslawischen Armee in Ungarn hätte die internationale Lage außerordentlich kompliziert. Ungarn, ein Mitglied des Warschauer Vertrages, wäre zur Zeit einer faschistischen Konterrevolution außerdem noch von einer fremden Armee angegriffen worden, Dann hätten auch die Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages einschließlich der sowjetischen Armee, die in Ungarn stationiert war, eingreifen müssen, um diesen feindlichen Angriff abzuwehren. Nur die Hilfe der sowjetischen Armee bei der Niederschlagung der Konterrevolution verhinderte diese internationale Provokation.
c) Als die Konterrevolution vernichtend geschlagen war, nahmen die jugoslawischen Führer eine feindliche Haltung gegenüber der Sowjetunion ein, verurteilten die Hilfe, die sie den ungarischen Werktätigen gewährt hatte, um die Konterrevolution zu unterdrücken, und nannten das Eingreifen der sowjetischen Armee eine „Intervention“. Imre Nagy, der die imperialistischen Truppen zur Hilfe gerufen und sicherlich auch das Eingreifen der jugoslawischen Truppen eingeplant hatte und unter dessen Führung die faschistischen Banden Tausende Kommunisten und Arbeiter mordeten und erhängten, fand Zuflucht in der jugoslawischen Gesandtschaft in Budapest.
Die jugoslawischen Führer und ihre Propaganda waren mit allen Kräften gegen die Neuorganisierung der revolutionären Partei der Arbeiter und Bauern, gegen die Festigung der Diktatur des Proletariats. Kardelj sprach sich offen gegen die Maßnahmen der ungarischen Regierung aus. Er verlangte, dass die territorialen Arbeiterräte ( die voll von Konterrevolutionären waren), die Macht ergreifen sollten, und forderte die ungarischen Führer auf, das politische System in Ungarn radikal umzuwandeln. Es liegt auf der Hand, dass, da in Ungarn in den Jahren vor der Konterrevolution der Sozialismus aufgebaut wurde, die Forderung von Kardelj, „das politische System radikal umzuwandeln“, nur heißen konnte, die Diktatur des Proletariats zu liquidieren und das kapitalistische System wieder herzustellen. Kurz, die Haltung der jugoslawischen Führung und Presse kann nur als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ungarns betrachtet werden, um die ungarische Partei und Regierung daran zu hindern, die Überreste der Konterrevolution zu beseitigen und die Lage zu normalisieren.
Die Konterrevolution verursachte in Ungarn großen Sachschaden, erschwerte die wirtschaftliche Lage des Volkes erheblich und rief eine große Anarchie und Verwirrung hervor. Die Partei wurde durch die Schläge der Konterrevolution und durch den von den anti-marxistischen Elementen geschürten inneren Zwist liquidiert.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um dem ungarischen Volk, unserem Bruder und Verbündeten, zu helfen, damit seine Wunden so schnell wie möglich heilen.
Und noch dieses Zitat auf Seite 598/599:
Sie [die Titoisten – Anmerkung der Redaktion] behaupten, unsere „stalinistischen“ Systeme stünden im Gegensatz zu den objektiven Gesetzen. Deshalb müssten sie unbedingt durch das System jugoslawischen Typs ersetzt werden, sonst drohe uns eine Katastrophe und wir erlitten dasselbe Schicksal wie Ungarn. Konsequent darin, nannten Tito und Kardlj die faschistische Konterrevolution in Ungarn eine Revolution zum Sturz des „stalinistischen Regimes“, und Maria Vilfans, Sekretärin der Auslandskommission des Sozialistischen Verbandes der Werktätigen Jugoslawiens, nennt sie „den Beginn der Wiedergeburt Osteuropas“. Die jugoslawischen Führer haben offen erklärt, sie stellten sich die Aufgabe, den anderen Parteien ihren Weg, und sei es durch „einen langen und schwierigen Kampf“, aufzuzwingen. Die jugoslawischen Führer und die jugoslawische Presse nennen die, die den jugoslawischen Weg nicht akzeptieren, „Stalinisten“ und rufen die Kommunisten auf, sie zu stürzen und durch Anhänger des „neuen Kurses“ zu ersetzen. Tito sagte in Pula, das Schicksal der Arbeiterbewegung hänge davon ab, „ob in den kommunistischen Parteien der neue Kurs triumphieren wird, der in Jugoslawien begann ... oder ob der stalinistische Kurs wieder siegen wird.“
(...) Ihr seht, Genossen, welche Gefahr heute der Revisionismus darstellt. Deshalb müssen unsere Partei und alle anderen marxistisch-leninistischen Parteien ihre Wachsamkeit erhöhen und entschlossen und ohne Schwanken alle Revisionisten und Renegaten des Marxismus-Leninismus bekämpfen.
Anmerkung:
Hervorhebungen von der Redaktion.
Dieses Buch wurde seit 1980 von der KPD/ML als einzige Partei in ganz Deutschland verbreitet. Eine Neuauflage ist uns finanziell und personell nicht mehr möglich. Alle Bücher von Enver Hoxha wurden 1985 vom trotzkistischen Koch-ZK in den Müllcontainer geworfen. Wir haben es leider nicht verhindert. Wir sind seit vielen Jahren dabei, die Werke des Genossen Enver Hoxha mühselig ins Internet zu setzen und bitten alle Genossinnen und Genossen um internationalistische Unterstützung und Hilfe. Wir brauchen Übersetzter/innen und Genossen/innen, die Texte im html-Format für uns tippen würden. Danke.
In der Reihe: „50 Jahre Kampf gegen den modernen Revisionismus“ werden weitere Schriften aus Albanien im Komintern / ML – Archiv (im Internet: http://archive.250x.com) veröffentlicht – auch in Fremdsprachen.
Archiv der Komintern / ML