1956 – 2006

5o Jahre Kampf gegen den modernen Revisionismus



ENVER HOXHA



Auszug aus der

Rede, gehalten auf der

Beratung der 81 Kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau am 16. November 1960,

Tirana 1971, deutsche Ausgabe, Seite 103 ff

Die ungarische Konterrevolution ist nach unserer Meinung hauptsächlich das Werk der Titoisten. Denn Tito und die anderen Belgrader Renegaten waren die in erster Linie geeignetsten Werkzeuge der amerikanischen Imperialisten, um die Volksdemokratie in Ungarn zu stürzen.

Nach der Belgrader Reise Chruschtschows im Jahre 1955 wurde über die Wühlarbeit Titos kein Wort mehr verloren. Die Konterrevolution in Ungarn kam aber nicht unvorhersehbar und plötzlich, sie wurde so zu sagen coram publico vorbereitet und niemand vermag uns zu überzeugen, dass diese Konterrevolution in besonderer Heimlichkeit organisiert wurde. Diese Konterrevolution wurde von der Agentur der titoistischen Bande in Zusammenarbeit mit dem Verräter Imre Nagy und mit den ungarischen Faschisten organisiert und sie alle arbeiteten ganz offen unter der Leitung der Amerikaner.

Die Titoisten, welche hier die Hauptrolle spielten, beabsichtigten, Ungarn vom sozialistischen Lager loszureißen, es in ein zweites Jugoslawaien zu verwandeln und mit Hilfe Jugoslawiens, Griechenlands und der Türkei mit der NATO zu verbinden. Gestützt auf US-Hilfe sollte es dann gemeinsam mit Jugoslawien unter der Leitung der Imperialisten den Kampf gegen das sozialistische Lager fortsetzen.

In Ungarn arbeiteten die Konterrevolutionäre ganz offen. Aber warum fand ihre Tätigkeit keine Beachtung? Wir können nicht verstehen, wie es möglich war, dass in einem volksdemokratischen Bruderland wie Ungarn, wo die Partei an der Macht war und die Waffe der Diktatur des Proletariats besaß und wo Sowjettruppen lagen, Tito und die Banden Horthys so ungeniert werken konnten.

Wir sind der Meinung, dass die Haltung des Genossen Chruschtschow und der anderen sowjetischen Genossen gegenüber Ungarn nicht klar war, weil ihre völlig falsche Einschätzung der Belgrader Bande ihnen nicht gestattete, diese Dinge richtig zu erkennen.

Die sowjetischen Genossen vertrauten Imre Nagy, welcher der Mann Titos war. Diese Feststellung ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern beruht auf Tatsachen. Vor dem Ausbruch der Konterrevolution, als es im Petöfi-Klub schon brodelte, fuhr ich durch Budapest und erzählte danach gesprächsweise dem Gen. Suslow in Moskau, was ich in Budapest gesehen hatte. Ich sagte ihm, dass der Revisionist Imre Nagy sein Haupt erhebt und im Petöfi-Klub die Konterrevolution organisiert wird. Gen. Suslow wies diese Auffassung mit aller Entschiedenheit zurück und um zu beweisen, dass Imre Nagy ein braver Mann sei, zog er aus der Schublade die frische „Selbstkritik“ Imre Nagys heraus. Trotzdem sagte ich dem Genossen Suslow, dass Imre Nagy ein Verräter ist.

Uns hat erstaunt, und wir stellen die berechtigte Frage: Warum reisten Gen. Chruschtschow und andere sowjetische Genossen wiederholt nach Brioni, um die ungarische Frage mit dem Renegaten Tito zu besprechen? Wenn die sowjetischen Führer wussten, dass die Titoisten in einem Land unseres Lagers die Konterrevolution vorbereiten, wieso verhandelten sie dann mit einem Feind, welcher Komplotte und Konterrevolutionen in sozialistischen Ländern organisiert?

Als kommunistische Partei, als volksdemokratisches Land, als Mitgliedsstaat des Warschauer Vertrags und Partner des sozialistischen Lagers haben wir das Recht, vom Gen. Chruschtschow und von den anderen sowjetischen Genossen zu verlangen, dass sie uns sagen, warum sie im Jahre 1956 so oft mit Tito, mit diesem Verräter des Marxismus-Leninismus, in Brioni zusammentrafen, aber keine einzige Beratung mit unseren Ländern, mit den Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrags abhielten? Wann wird eine Beratung des Warschauer Vertrags stattfinden, wenn nicht in einer Zeit, in der einer von unseren Staaten sich in Gefahr befindet?

Wir denken auch, dass die Entscheidung in Ungarn mit den Waffen zu intervenieren oder nicht zu intervenieren, nicht in der Kompetenz einer einzigen Person liegt. Da wir den Warschauer Vertrag haben, müssen wir auch gemeinsam beschließen, denn sonst hat es keinen Wert, von einer Allianz, von kollektivem Geist und von Zusammenarbeit zwischen den Parteien zu sprechen.

Die ungarische Konterrevolution hat unserem Lager, hat Ungarn und der SU Blut gekostet.

Warum hat man es auf sich genommen, solche Blutopfer zu tragen, aber keine rechtzeitige Maßnahmen getroffen, das Blutvergießen zu verhindern? Wir denken, dass der Grund, warum es nicht möglich war, vorher Maßnahmen zu ergreifen, in den Umstand liegt, dass Genosse Chruschtschow zum Verräter Tito, zum Organisator der ungarischen Konterrevolution, Vertrauen hatte und die sowjetischen Genossen die ordnungsgemäßen und unerlässlichen Beratungen mit ihren Alliierten und Freunden so sehr unterschätzten, dass sie nur ihre eigenen einseitigen Beschlüsse über Fragen, die uns alle angingen, als richtig erachteten und der kollektiven Arbeit und den kollektiven Beschlüssen gar keinen Wert beimaßen.

Die PAA ist bis heute nicht ganz informiert worden, wie die Dinge verlaufen sind und welche Beschlüsse darüber gefasst wurden. Als die Titoisten in Brioni einerseits mit den sowjetischen Genossen verhandelten und andererseits fieberhaft die Konterrevolution in Ungarn organisierten, nahmen sich die Sowjetgenossen auch nicht die geringste Mühe, unsere Führung zu informieren, bzw. ihr die Maßnahmen bekannt zu geben, die sie zu ergreifen gedachten. Nicht einmal formell machten sie das, obwohl wir doch Alliierte sind. Daher war das keineswegs bloß eine Frage der Formalität. Denn die sowjetischen Genossen wussten allzu gut, was die Belgrader Bande gegen Albanien im Schilde führte, welche Ziele sie verfolgte. Wahrlich, diese Haltung der sowjetischen Genossen ist nicht nur sträflich, sondern auch unverständlich.

Ungarn war für uns eine große Lehre, sowohl in Bezug auf das, was dort geschah als auch auf das, was auf der Bühne und hinter der Bühne gespielt wurde. Wir dachten, dass die ungarische Konterrevolution den Verrat Titos und seiner Bande mehr als zur Genüge gezeigt hatte. Wir wissen, dass darüber viele Dokumente in den Schubläden liegen, aber der Öffentlichkeit nicht bekannt gemacht werden, Dokumente, welche die barbarische Tätigkeit der titoistischen Gruppe im Falle Ungarns enthüllen würden. Wir verstehen nicht, warum man sie zurück hält. Wer hat ein Interesse daran, diese Dokumente der Öffentlichkeit nicht bekannt zu machen, sondern sie fest unter Verschluss zu halten? Um Gen. Stalin nach dem Tode verurteilen zu können, wurden selbst die unbedeutendsten Dinge hervor gezogen, um ihn verurteilen zu können, aber die Dokumente zur Enthüllung Titos, dieses gemeinen Verräters, werden in den Schubladen verschlossen.

Doch selbst nach der ungarischen Konterrevolution wurde der politische und ideologische Kampf gegen die titoistische Bande nicht verstärkt, wie es der Marxismus-Leninismus verlangt hätte, sondern weiter abgeschwächt.


Anmerkung:

Hervorhebungen von der Redaktion.

Dieses Buch wurde seit 1980 von der KPD/ML als einzige Partei in ganz Deutschland verbreitet. Eine Neuauflage ist uns finanziell und personell nicht mehr möglich. Alle Bücher von Enver Hoxha wurden 1985 vom trotzkistischen Koch-ZK in den Müllcontainer geworfen. Wir haben es leider nicht verhindert. Wir sind seit vielen Jahren dabei, die Werke des Genossen Enver Hoxha mühselig ins Internet zu setzen und bitten alle Genossinnen und Genossen um internationalistische Unterstützung und Hilfe. Wir brauchen Übersetzter/innen und Genossen/innen, die Texte im html-Format für uns tippen würden. Danke.

In der Reihe: „50 Jahre Kampf gegen den modernen Revisionismus“ werden weitere Schriften aus Albanien im Komintern / ML – Archiv (im Internet: http://archive.250x.com) veröffentlicht – auch in Fremdsprachen.

Archiv der Komintern / ML